Rede des Aktionsbündnis gegen Rechts:

Gehalten auf der Kundgebung zum Antikriegstag in Villingen-Schwenningen

Liebe Freundinnen und Freunde,

wir sind heute hier, um an die Opfer von Faschismus und imperialistischem Krieg zu erinnern. Besonders erinnern wir uns auch an all jene die Widerstand dagegen geleistet haben.
Doch ist dies keine Erinnerung um der Erinnerung willen!
Für uns bedeutet Erinnerung, sich mit der Geschichte auseinander zusetzen um daraus für unser aktuelles und zukünftiges Engagement zu lernen. Gleichzeitig geht es darum diesen Tag mit den brennenden Themen dieser Zeit in Verbindung zu bringen.

Ganz aktuell ist in diesem Zusammenhang der angekündigte und süddeutschlandweit beworbene Naziaufmarsch in Göppingen am 6. Oktober.
Der Aufmarsch ist schon der vierte in diesem Jahr dort, wo die faschistische Bewegung in den letzten Jahren immer stärker geworden ist und auch überregionale Bedeutung hat.
Regelmäßig kommt es in Göppingen zu gezielten Angriffen auf AntifaschistInnen, kaum eine Veranstaltung gegen rechte Umtriebe bleibt ohne Störungen oder Angriffe von FaschistInnen. Dies zeigt, dass organisierte rechte Gewalt auch in dieser Gegend eine reale Gefahr ist.
Das Motto des Aufmarsches „Ausbeutung stoppen, Kapitalismus zerschlagen!“ steht exemplarisch für die Versuche der Rechten mit vordergründig antikapitalistischen Themen zu punkten. Tatsächlich verbirgt sich dahinter Antisemitismus und anderes braunes Gedankengut.
Hier wird dieselbe Ideologie propagiert, die schon einmal zu Weltkrieg und Massenmord führte.

Am 1. September 1939 trat das faschistische Deutschland den zweiten Weltkrieg los, der am 8. Mai 1945 mit der Befreiung Deutschlands vom Faschismus endete.

Anders als man hätte erwarten können, reichten 60 Millionen Tote und ein zuvor ungekanntes Ausmaß an Zerstörung nicht aus um faschistische Ideologie aus den Köpfen zu verbannen. In der jungen Bundesrepublik fand eine grundlegende Aufarbeitung der faschistischen Vergangenheit nicht wirklich statt. So gelang es führenden Köpfen die zuvor an Massenmord und Krieg beteiligt waren, wieder wichtige Positionen in der BRD zu besetzen. So waren führende Köpfe von GeStaPo, Sicherheitsdienst und SS zum Beispiel am Aufbau des Verfassungsschutzes beteiligt. Auch Unternehmen die etwa durch Rüstung, Arisierung und Zwangsarbeit Millionen verdient hatten, konnten größtenteils ihre Gewinne behalten und blieben in denselben Händen.

In den 60er Jahren gelang es der faschistischen NPD mit ihrer rassistischen Hetze in mehrere Landtage einzuziehen.

Als vor zwanzig Jahren in Rostock-Lichtenhagen ein vom rassistischen Diskurs im bürgerlichen Lager angestachelter Mob, über mehrere Tage die Unterkünfte von MigrantInnen angriff, reagierte die Polizei mit Rückzug und ging stattdessen gegen zu Hilfe eilende AntifaschistInnen vor und nahm viele von ihnen fest, als diese mit einigem Erfolg gegen den rassistischen Mob vorgingen. Die Politik reagierte mit der faktischen Abschaffung des Asylrechts und bestärkte damit die TäterInnen in ihrem Handeln.

Dies zeigt, wie jüngst auch die Affäre um die NSU und den Verfassungsschutz, dass wir uns im Kampf gegen Faschismus und Rassismus, nicht auf den Staat verlassen können.
Darum liegt es an uns allen uns aktiv gegen Rassismus und Faschismus, genauso wie gegen Krieg, der auch heute wieder von Deutschland geführt wird, aktiv zu werden.

Wir rufen euch alle auf am 6. Oktober den Naziaufmarsch in Göppingen gemeinsam zu verhindern! Wir wollen mit Blockaden und Aktionen des zivilen Ungehorsams den faschistischem Aufmarsch verhindern.

Lasst uns den FaschistInnen gemeinsam entgegentreten!

Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!