Offener Brief an den Leitender Polizeidirektor Roland Wössner

Der Offene Brief an Herrn Wössner, leitender Polizeidirektor in VS, ist eine Reaktion auf das von ihm gegebene Interview im Südkurier zum Thema Rechtsextremismus in der Region.

Sehr geehrter Herr Wössner,

mit einigem Unverständnis lasen wir das mit Ihnen geführte Interview der Neckarquelle vom Samstag den 17.12.2011. Wir als Aktionsbündnis gegen Rechts empfinden einige Ihrer Aussagen als problematisch und möchten diese nicht unkommentiert stehen lassen.
Zunächst wollen wir auf die von Ihnen genannten Gruppierungen genauer eingehen. Die Partei „Die Freiheit“, die Sie nicht als rechts, sondern „lediglich“ als anti-islamistisch einschätzen, ist in unseren Augen klar dem rechten Spektrum zuzuordnen. Unter dem Deckmantel der Islamkritik verbreiten sie rassistische Ideologie und anderes rechtspopulistisches Gedankengut. Wohin diese Hetze führen kann, hat der Amoklauf in Norwegen deutlich gemacht.
Dass Sie den „Freien Kräften Schwarzwald-Baar-Heuberg“ faschistische Inhalte absprechen, ist für uns vollkommen unverständlich, auch weil eine Verbindung von den Freien Kräften zur hiesigen NPD nicht von der Hand zu weisen ist ( zu sehen zum Beispiel in der Bewerbung der von der NPD organisierten Stammtische auf der Internetseite der Freien Kräfte). Inwiefern die Forderung nach der Einführung der Todesstrafe und die Glorifizierung des Nazi- Verbrechers Rudolf Hess soziale Themen sind, bleibt uns ein Rätsel.
Ihre Äußerung , es habe seit 1993 im Schwarzwald- Baar Kreis keine „schwerwiegenden Straftaten“ mit rechtem Hintergrund mehr gegeben, möchten wir kritisch hinterfragen, da viele rechte Straftaten im Nachhinein als unpolitisch dargestellt werden. Auch werden viele
Gewalttaten nicht angezeigt.
Wir halten es für gefährlich und falsch im Kontext von rechten Gewalttaten das Entfernen von NPD- Wahlplakaten anzuprangern, da dies die Gewalttaten relativiert.

Aktionsbündnis gegen Rechts, den 21.12.2011